Ein Auto hat zwei Bremsen: ein Pedal und eine Handbremse. Wenn das Pedal versagt, hast du noch die Handbremse zur Sicherheit. Genau so funktionierte bisher die Kontrolle über die Nutzerdaten im Internet. Doch Google Analytics 4 (GA4) baut nun genau diese „Handbremse“ aus.
Ab Mitte Juni 2026 ändert Google die Regeln für die Datenverarbeitung grundlegend. Was oberflächlich nach einer kleinen technischen Änderung klingt, ist für dich als Webseitenbetreiber in der Schweiz eine echte Herausforderung.
Was sind diese „Google Signale“?
Die Google Signale sind eine Zusatzfunktion innerhalb von GA4. Sie erkennen Nutzer wieder, die in ihrem persönlichen Google-Konto (bspw. bei Gmail oder YouTube) angemeldet sind. Das ermöglicht dir ein geräteübergreifendes Tracking: Du erfährt bspw. ob jemand erst am Handy bei dir gestöbert und später am Laptop gekauft hat.
Bisher konntest du diese Funktion in den Einstellungen von GA4 einfach mit einem Schalter komplett ausschalten. Das war dein „Notbremshebel“. Viele Schweizer Unternehmen haben das bisher getan, um den strengen Anforderungen des neuen Datenschutzgesetzes (nDSG) gerecht zu werden. Man wollte verhindern, dass sensible Profildaten gesammelt werden, für die man haftet. Doch dieser Hebel wird nun von Google wirkungslos gemacht.
Die Verschiebung der Kontrolle
Bisher dachten viele Webseitenbetreiber: „Wenn ich den Schalter für die Google Signale in den Einstellungen auf AUS stelle, bin ich sicher.“ Das stimmt aber nicht ganz. Ob Google Daten verarbeitet, entschied sich bisher an zwei Stellen:
- In den Einstellungen deiner GA4 Property.
- In deinem Cookie-Banner auf der Webseite
Bisher konntest du in den GA4 Einstellungen festlegen: Auch wenn der Nutzer auf JA klickt, will ich diese Signale nicht sammeln. Diese zusätzliche Sicherung fällt nun weg. Wenn dein Banner einen technischen Fehler hat und die Ablehnung nicht korrekt weitergibt, fliessen die Daten ungefiltert zur Werbeplattform Google Ads. Du hast keine zweite Schranke mehr, die dich schützt.
Warum das für dein Marketing gefährlich wird
Warum ist das für deine Werbung wichtig? GA4 und Google Ads arbeiten eng zusammen. Der häufigste Fall ist das sogenannte Retargeting: Du bildest in GA4 Zielgruppen (bspw. „Alle Besucher, die den Warenkorb abgebrochen haben“) und schickst diese Listen an Google Ads, um diesen Leuten gezielt Werbung anzuzeigen.
Bisher war der Schalter in GA4 eine Garantie, dass Daten nicht ungefragt mit persönlichen Profilen der Google-Nutzer verknüpft wurden. Du konntest zwar einfache Remarketing-Listen erstellen, aber der tiefe Eingriff in die Privatsphäre (Google Singale) blieb deaktiviert. Wenn dieser Schalter nun verschwindet, landen Nutzer plötzlich mit ihren vollen Google-Profil auf deinen Listen, wenn dein Cookie-Banner einen technischen Fehler hat und die Ablehnung ignoriert. Du riskierst also, Leute mit Werbung zu verfolgen, die dem eigentlich nie zugestimmt haben, und bist dafür voll verantwortlich.
Das Risiko: Wenn die Technik versagt
Die ganze Last liegt nun auf dem sogenannten Consent Mode (Einwilligungsmodus). Das ist die Technik, die deinem GA4 mitteilt, ob ein Nutzer getrackt werden darf. Dieses System ist extrem anfällig: Oft wird bei Webseiten-Updates nicht geprüft, ob das Consent-Tracking noch sauber läuft.
Ein neues Design oder ein aktualisiertes Plugin können ausreichen, um die Verbindung zum Cookie-Banner zu stören. Da die zusätzliche Sperre in GA4 künftig fehlt, stehst du bei solchen Fehlern ohne Schutz da. Die Daten werden unzulässig verarbeitet und du haftest als Betreiber für diesen Verstoss.
Der Schweizer Datenschutz: Kein Pardon bei Fehlern
In der Schweiz haben wir das neue Datenschtutzgesetz (nDSG). Es schreibt vor, dass du Technik so einstellen musst, dass sie von Natur aus datenfreundlich ist. Da Google dir nun die Kontrolle innerhalb von Analytics wegnimmt, musst du beweisen können, dass deine Webseite technisch absolut sauber arbeitet.
Die Verantwortung liegt zu 100 Prozent bei dir, nicht bei Google. Die Google Signale nutzen Daten von Menschen, die mit ihrem Klarnamen bei Google eingeloggt sind. Wenn du diese Informationen ohne glasklare Erlaubnis für Werbung nutzt, greifst du tief in die Privatsphäre ein. Da der Ausschalter im Analyse-Tool nun wegfällt, wird die fehlerfreie Abfrage im Cookie-Banner zu deiner einzigen Lebensversicherung.
Was du jetzt tun musst
Warte nicht bis Juni 2026. Du solltest jetzt folgende Schritte gehen:
- Prüfe deinen Cookie-Banner ganz genau:
Funktioniert er wirklich? Schick er bei Ablehnen auch wirklich ein NEIN an Google? - Prüfung nach Updates:
Führe nach jedem Update deiner Webseite einen kurzen Test durch, ob das Tracking noch korrekt reagiert. - Technik-Check:
Lass technisch prüfen, ob dein Consent Mode auf Default Denied eingestellt ist. Das bedeutet, dass ohne ein aktives JA des Nutzers kein einziges Datenpaket fliessen darf. - Alternative prüfen:
Überlege dir, ob alternative Tracking-Methoden für dich sinnvoll sein könnte. Tracking ohne Cookies oder bei denen die Daten erst über deinen eigenen Server laufen, machen dich unabhängiger von Googles Launen.
Fazit: Mehr Verantwortung für dich
Google verkauft dieses Update als „Vereinfachung“. In Wahrheit ist es eine Lastenverschiebung. Google macht es sich einfach und du hast den Stress mit der korrekten technischen Umsetzung auf deiner Webseite. Wer sich bisher auf die Notbremse bei GA4 verlassen hat, muss seine Technik jetzt in den Griff bekommen.
Glossar
Das sichtbare Element auf Deiner Website, über das Nutzer ihre Einwilligung zur Datenverarbeitung geben oder ablehnen.
Beispiel: Das Fenster „Wir schätzen Ihre Privatsphäre“, das beim ersten Besuch aufploppt.
Die ausdrückliche Zustimmung eines Nutzers zur Verarbeitung seiner Daten. Im modernen Marketing ist dies die rechtliche Basis für fast jedes Tracking.
Eine Schnittstelle von Google, die Deine Website-Tags anweist, wie sie sich verhalten sollen, wenn ein Nutzer ablehnt. Je nach Einstellung ermöglicht dies ein anonymisiertes Messen von Erfolgskennzahlen (Conversions), ohne dass dabei herkömmliche Cookies gesetzt werden.
Das System im Hintergrund, das Einwilligungen speichert und technisch umsetzt. Es sorgt dafür, dass die Nutzerwahl auf der ganzen Webseite respektiert wird.
Beispiele: Usercentrics, Cookiebot oder OneTrust.
Die Erfassung von Nutzerverhalten auf einer Website, zum Beispiel Seitenaufrufe oder Klicks, um die Leistung der Seite zu analysieren.
Alternativen: Es gibt viele Anbieter wie Matomo, Piwik PRO oder Hotjar, die teilweise ohne Datentransfer in die USA arbeiten.
Funktionen (wie Google Signale), die helfen zu erkennen, ob ein Nutzer am Handy und am PC dieselbe Person ist. Das funktioniert über die Verknüpfung mit den Benutzerkonten, in denen die Person eingeloggt ist.
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