Die Google Marketing Live 2026 ist vorbei und zeigt der Werbewelt, wohin die Reise in den kommenden Monaten geht. Nachdem Google bereits auf der Entwicklerkonferenz I/O seine neuen Technologien im Bereich der künstlichen Intelligenz gezeigt hat, folgten nun die konkreten Werkzeuge für Werbetreibende. Die Botschaft ist eindeutig: Die Google-KI „Gemini“ zieht noch tiefer in Google Ads ein. Sie verändert grundlegend, wie wir Kampagnen aufsetzen, Bilder oder Videos erstellen und Daten auswerten. Wir haben die weltweite Präsentation live mitverfolgt und fassen die wichtigsten Neuerungen verständlich zusammen.
Wichtiger Hinweis zur KI-Nutzung (Data Privacy Disclaimer)
Als Allererstes ist wichtig zu erwähnen: All diese neuen KI-Funktionen und digitalen Agenten leben von Daten. Sie funktionieren nur dann perfekt, wenn sie einen tiefen Einblick in deine Systeme erhalten. Bitte prüfe daher generell vor jeder Nutzung die internen KI-Richtlinien deines Unternehmens. Stelle sicher, dass du keine hochsensiblen Geschäftsgeheimnisse ungeschützt mit Google teilst.
1. Das Fundament: Recap der Technologie aus der Google I/O
Um die neuen Funktionen zu verstehen, hilft ein kurzer Blick auf die jüngste Entwicklerkonferenz. Google hat dort das neue Modell Gemini 3.5 Flash sowie das multimodale Medienmodell „Gemini Omni“ vorgestellt. Dieses kann rasend schnell Text, Audio und Video gleichzeitig verarbeiten.
Das Modell ist die Basis für eine neue Ära der KI. Die künstliche Intelligenz arbeitet hier nicht mehr nur als einfacher Chatbot, der auf Fragen antwortet. Sie führt selbstständig komplexe Aufgaben über mehrere Schritte hinweg aus. Ein wichtiges Werkzeug ist hierbei „Gemini Spark“. Dieser persönliche KI-Assistent übernimmt Alltagsaufgaben im Hintergrund. Er überwacht zum Beispiel dauerhaft dein E-Mail-Postfach, um nach wichtigen Kundenanfragen Ausschau zu halten.
Verfügbarkeit Schweiz/Europa: Gemini 3.5 Flash sowie erste Funktionen von Gemini Omni sind ab sofort live für alle Nutzer verfügbar. Gemini Spark startet als Testphase (Beta) zunächst ausschliesslich in den USA. Ein Startdatum für Europa und die Schweiz ist noch nicht bekannt.
2. Die neue KI-Suche: So werden Werbeanzeigen platziert
Die klassische Google-Suche verändert sich rasant. Auf der einen Seite gibt es die AI Overviews (die durch KI erstellten Direktantworten über den normalen Suchergebnissen), die bereits von Milliarden Menschen genutzt werden.
Auf der anderen Seite führt Google jetzt den neuen „AI Mode“ ein. Das ist ein eigener, neuer Bereich in der Suche für komplexe Aufgaben. Anstatt viele verschiedene Webseiten zu öffnen, um Angebote mühsam zu vergleichen, wechselt der Nutzer in diesen Modus. Die KI übernimmt dort per Chat die gesamte Recherche und Kaufberatung.
Für Werbetreibende stellt sich die Frage: Wie bleibt man in dieser neuen Welt sichtbar?
- Die EEAT-Formel bleibt König: Damit die KI eine Webseite als Quelle nutzt und verlinkt, braucht es einzigartige Inhalte, echte Kundenbewertungen und echtes Fachwissen (Expertise, Erfahrung, Autorität, Vertrauenswürdigkeit). Google verlinkt diese Quellen direkt in den Antworten.
- Ads in AI Mode: Werbeanzeigen werden direkt in den KI-Modus eingebunden. Google führt hierzu „AI Max for Search“ sowie „Direct Offers in AI Mode“ ein. Das neue System „AI Max for Search“ arbeitet Hand in Hand mit bestehenden Suchkampagnen.
- AI-Powered Shpping Ads: Sucht ein Nutzer nach komplexen Produkten wie einem Fernseher, schreibt die KI direkt in der Werbeanzeige eine massgeschneiderte Erklärung. Sie erklärt dem Kunden genau, warum dieses Produkt zu seinen Wünschen passt.
- Business Agents for Leads: Für Branchen wie Immobilien oder Bildung müssen Nutzer bald keine Formulare mehr ausfüllen. Ein Gemini-Marken-Agent führt das Verkaufsgespräch direkt innerhalb der Anzeige.
Damit du als Marke die Kontrolle behältst, führt Google das „AI Brief-Dashboard“ ein. Hier kannst du Brand Identity Guides und Richtlinien hinterlegen, damit die KI die visuelle und textliche Identität deines Unternehmens strikt respektiert.
Verfügbarkeit Schweiz/Europa: Während AI Overviews weltweit aktiv sind, rollt der neue KI-Beratungsmodus (AI Mode) inklusive der Business Agents zuerst im englischsprachigen Raum aus. AI Max for Search (DSA-Ablösung) und das AI Brief-Dashboard starten weltweit im Laufe des Sommers. Für die massgeschneiderten AI-Powered Shopping Ads gibt es noch kein konkretes Startdatum für Europa.
3. Agentic Commerce: Direkt in der KI einkaufen
Das Einkaufen wird durch Erweiterungen im Universal Commerce Protocol revolutioniert. Das System verknüpft Produktkataloge, Checkout und Zahlung direkt mit der Google-KI.
- Universal Cart: Nutzer können Produkte von verschiedenen Händlern in einem einzigen Warenkorb sammeln, egal wo sie das Produkt im Google-Netzwerk finden.
- Direct Chackout: Der Kauf wird mit Google Pay oder einem Express-Checkout direkt in der KI-Oberfläche oder auf YouTube abgeschlossen. Man muss die Webseite des Händlers dafür nicht mehr besuchen.
Verfügbarkeit Schweiz/Europa: In den USA rollt dieses Feature für erste Partner in den kommenden Monaten aus. Aufgrund der strengen europäischen Gesetzgebung (wie dem Digital Markets Act) und komplexen Finanzregeln gibt es für das Universal Commerce Protocol und den Direct Checkout noch kein Startdatum für Europa und die Schweiz. Aufgrund der rechtlichen Hürden wird es noch eine ganze Weile dauern.
4. Kampagnen-Automatisierung und Bild-/Video-Creatives
Im Asset Studio zieht die Technologie von Gemini Omni ein. Dieses Werkzeug ist ein riesiger Vorteil für kleinere Unternehmen: Wer keine eigene Design-Abteilung oder nur ein knappes Budget hat, kann per KI im Handumdrehen professionelle Produktbilder und Videos erstellen lassen. Damit das Tool aber auch für Grosskonzerne und Werbeagenturen nützlich ist, hat Google aufgerüstet: Über eine neue API lässt sich das Asset Studio ansteuern, um tausende Produktbilder vollautomatisch im Hintergrund zu generieren. Zudem wurde ein A/B-Testing integriert, mit dem auch grosse Marken sofort prüfen können, welches Bild bei den Kunden am besten ankommt.
Auch auf den visuellen Kanälen gibt es Neuerungen:
- Demand Gen auf Google Maps: Da Nutzer auf Google Maps bereits aktiv im „Entscheidungsmodus“ unterwegs sind, werden Demand-Gen-Kampagnen nun auch dort ausgespielt.
- Connected TV (CTV) & Tablets: Produkt-Feeds aus dem Merchant Center laufen jetzt auch auf Tablets sowie als interaktive Pause-Ads auf dem Fernseher, wenn der Nutzer ein YouTube-Video pausiert.
- Creator-Integration: Google schlägt dir im Kampagnen-Dashboard direkt passende YouTube-Creators vor, die du mit wenigen Klicks in deine Kampagne einbinden kannst.
Verfügbarkeit Schweiz/Europa: Die neuen Asset-Studio-Funktionen, das A/B-Testing sowie die Demand-Gen-Erweiterung für Google Maps werden im Laufe der nächsten Wochen weltweit und somit auch direkt in der Schweiz und Europa freigeschaltet. Die Creator-Integration und die Pause-Ads im TV-Bereich starten zunächst als Pilotoprojekt in den USA, ein Europa-Startdatum ist hier noch offen.
5. Modern Measurement: Messung und Datenschutz
Da Internet-Browser alte Tracking-Methoden (wie Cookies) immer mehr einschränken, wird die Messung von Werbeerfolgen technisch schwieriger. Google setzt hier voll auf Berechnungen durch KI-gestützte Datenmodellierung.
- YouTube Engaged View Conversion: Diese Metrik misst User, die mindestens 5 Sekunden einer Videoanzeige geschaut hat und später gekauft haben. Für Drittplattform-Messungen kooperiert Google fest mit TransUnion.
- Data Manager API: First-Party-Daten müssen künftig nur noch einmal über diese Schnittstelle geteilt werden und stehen sofort im gesamten Google-Kosmos zur Verfügung.
- Neue Conversion-Metriken: Google Ads zeigt neu die Attributed Brand Searches (kurzfristiger Impact auf die Markensuche) sowie Qualified Future Conversions, die den Kundenwert über bis zu 6 Monate hinweg modellieren. Wichtig: Dies bedeutet keine Verlängerung der Cookie-Laufzeit im Browser, sondern eine reine KI-Hochrechnung, um die Datenschutzgesetze der EU/CH (DSGVO/nDSG) einzuhalten.
- Meridian-Integration: Das Open-Source Marketing-Mix-Modelling-Tool Meridian wird direkt in Google Analytics 360 integriert, um Daten von Google, TikTok, Meta und anderen Social-Media-Kanälen per KI an einem Ort zu analysieren.
Verfügbarkeit Schweiz/Europa: Die Data Manager API, die Engaged View Conversions und die Integration von Meridian in Google Analytics 360 sind globale Updates und stehen Werbetreibenden in Europa und der Schweiz ab sofort bzw. in den kommenden Wochen zur Verfügung. Die Modellierung der Qualified Future Conversions wird aufgrund der strengen europäischen Datenschutz-Prüfungen in Europa zeitversetzt eingeführt, ein exaktes Datum steht noch aus.
6. Ein Assisten für alles: „Ask Advisor“
Das absolute Highlight für den täglichen Workflow ist „Ask Advisor“. Dieser allumfassende KI-Assistent ist mit all deinen Google-Konten verknüpft (Google Ads, Google Analytics, das Merchant Center und die gesamte Google Marketing Plattform). Anstatt mühsam Berichte zu bauen, kannst du der KI einfach komplexe Fragen stellen wie: „Welche Zielgruppe hatte im letzten Monat den höchsten ROI auf unseren YouTube-Kampagnen?“ und erhältst sofort die fertige Analyse samt Handlungsempfehlung und Anleitung.
Verfügbarkeit Schweiz/Europa: Ask Advisor wird ab Sommer zunächst für englischsprachige Konten ausgerollt. Die Unterstützung für Deutsch und der offizielle Schweizer Rollout sind für das späte vierte Quartal geplant.
| Update-Bereich | Funktion | Verfügbarkeit Schweiz/Europa |
| Suche | AI Max ergänzt innovative Suchanzeigen | Im Laufe des Sommers 2026 |
| E-Commerce | Universal Commerce (Direktkauf in der KI) | Noch offen (strenge EU-Regeln) |
| Creatives | Asset Studio (Bilder per API erstellen) | In den kommenden Wochen |
| Analyse | Ask Advisor (KI-Berater für Werbefragen) | Spätes 4. Quartal 2026 |
Fazit: Hier kommt einiges auf uns zu
Die Google Marketing Live 2026 zeigt eindrücklich, dass Werbung durch KI viel schneller und effizienter wird. Wer jedoch die Kontrolle über seine Kampagnen und seine sensiblen Geschäftsdaten nicht komplett an Google abgeben möchte, muss die neuen Agenten-Tools mit klaren Leitplanken und unter strenger Beachtung der internen KI-Richtlinien einsetzen.
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